Wenn der Druck steigt

Gerade kleinere Betriebe müssen oftmals besonders flexibel sein. Hier lohnt sich ein BGM auf jeden Fall.

Führungskräfte im Fokus der betrieblichen Gesundheit

„Wenn’s den Mitarbeitern gut geht, geht es auch dem Unternehmen gut“, sagte Sparkassen-Vorstand Dr. Michael Schieble am vergangenen Donnerstag in seinem Grußwort zum 2. Biberacher BGM-Gipfel. Die Betriebskrankenkasse (BKK) VerbundPlus hatte dazu zusammen mit der IHK Ulm in den Vortragssaal der Kreissparkasse eingeladen.

BGM steht für Betriebliches Gesundheitsmanagement und ist als System zur Förderung der Belegschaftsgesundheit inzwischen branchenübergreifend als notwendig und effektiv anerkannt. Auch für die Kreissparkasse gehöre es „zur sozialen Verantwortung, etwas für die Gesundheit der Mitarbeiter zu tun“, stellte Dr. Schieble fest.

Rund siebzig Vertreter kleiner und mittelständischer Unternehmen kamen zu der von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) geförderten Veranstaltung und lauschten anschließend den drei Referaten, in denen diesmal die Führungskraft als solche im Fokus stand. Denn den Führungskräften komme bei der Umsetzung von gesundheitsfördernden Maßnahmen eine entscheidende Bedeutung zu, betonte der BGM-Referent bei der BKK VerbundPlus, Andreas Schwarz.

Wie zukunftsfähige Führung in der Wirtschaft 4.0 aussehen kann, zeigte Dr. Nicole Strauss auf. Die Dozentin an der Frankfurter School of Finance & Management appellierte für eine proaktive Führung. „In Zeiten, in denen Tante-Emma-Läden längst Supermärkten weichen mussten und diese längst vom Online-Handel bedroht sind, müssen Unternehmen Produkte und Dienstleistungen auf den Markt bringen, die auch in 10 Jahren noch zukunftsfähig sind.“ Führungskräfte müssten in der Lage sein, den Übergang in eine globale und digitalisierte Wirtschaft agil und positiv zu gestalten. Dieser Epoche-Wandel sei sehr komplex und verursache Stress. Dass der Mensch in seiner Entwicklungsgeschichte gelernt habe, mit Veränderungen umzugehen, sei dabei nur ein Teil der Wahrheit. Denn der Mensch sei nun mal auch ein Gewohnheitstier. Zukunftsfähige Führung könne hierbei zum Zünglein an der Waage werden. Agilität dürfe aber nicht bedeuten: „Jeder macht was ich will, nur noch schneller“. Und auch von der Anwendung des schwäbischen Sprichworts „Ned gschimpft is globt gnug“ rät Nicole Strauss aus führungspsychologischen Gründen ab. Stattdessen rief sie die Unternehmen dazu auf, sich von eingefahrenen Mustern zu trennen und zu überlegen, welche Maßnahmen für sie hilfreich sein könnten.

Die Wichtigkeit der Rolle einer Führungskraft als Vorbild unterstrich auch Michael Treixler. „Führungskräfte sind für die Gesundheit wichtiger als der Hausarzt“, sagte der Leistungsdiagnostiker und Pädagoge, der seit dreißig Jahren in der Betrieblichen Gesundheitsförderung tätig ist. Beim Führen gehe es nicht nur um Sachaufgaben und Produktivität, sondern auch um Beziehungsaufgaben und Arbeitszufriedenheit. Systematisches BGM beginne mit der Selbstreflexion des Führungsverhaltens. Wenn dann auch noch das Know-how hinzu komme, wie die persönliche Gesundheitskompetenz verbessert werden könne um die Vorbildfunktion zu erfüllen, könnten Führungskräfte „der beste Hebel zur Umsetzung von BGM-Maßnahmen“ sein.

Mit der „Führung der Generation Y“ beschäftigte sich abschließend Prof. Dr. Nils Schulenburg von der FOM Hochschule Bremen. Seiner Analyse nach ist die Altersgruppe der heute 17- bis 38-Jährigen nicht grundlegend anders als ältere Generationen. Dass da und dort ein gegensätzlicher Eindruck entstehe, liege an Vorurteilen und dem sogenannten Kontrasteffekt. Letzterer führe dazu, „dass uns Dinge besonders stark auffallen, wenn sie unseren eigenen Verhaltensweisen, Ansichten und Werten widersprechen“. Für die tatsächlichen Unterschiede der Generation Y seien prägende Faktoren verantwortlich: geringe Geburtenrate, mehr Zeit für die Ausbildung, zunehmender Wohlstand, starke Ausbreitung des Internets, hohe Verfügbarkeit von Computern und mobilen Geräten, Internationalisierung/Globalisierung; Daraus seien Eigenschaften und Verhaltensweisen entstanden, mit denen Führungskräfte lernen müssen umzugehen. Schulenburgs Empfehlung: „Eine gute Führungskraft nutzt Werkzeuge, die an den tatsächlichen Eigenschaften der Generation Y ansetzen.“ Solche Werkzeuge könnten z. B. motivierende Ziele und das Vermeiden von Demotivatoren sein. Vor allem aber sollte eine gute Führungskraft auch die eigenen Eigenschaften sowie die daraus resultierenden Chancen und Risiken kennen.

Konstantin Giese (BKK VerbundPlus), Annika Höntsch (IHK Ulm), die Referenten Michael Treixler, Dr. Nicole Strauss und Prof. Dr. Nils Schulenburg sowie Andreas Schwarz (BKK VerbundPlus)
[Bildnachweis: Peter Scheipel, BKK VerbundPlus]